Die
großen Discounter und Supermärkte wollen nachhaltiger werden und
machen immer wieder mit neuen „grünen“ Projekten auf sich
aufmerksam. Ein kleiner Bio-Händler übt in einem offenen Brief
jedoch scharfe Kritik an den Vorsätzen der Discounter – und
benennt das eigentliche Problem der Branche.
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Quelle: Pixabay supermarket-949913 |
Im
deutschen Handel läuft einiges schief und die Discounter sollten
ihre Verantwortung dafür eingestehen, statt sich mit
Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu schmücken – so lässt sich der Inhalt
des offenen Briefs von Georg Rieck zusammenfassen. Rieck ist Inhaber
des Bioladens „Klatschmohn“, sein Brief richtet sich an den Chef
der Supermarkt-Kette Real.
Der
Hintergrund: Real hatte vor zwei Wochen die neue
Nachhaltigkeitsstrategie vorgestellt: Bis 2019 will Real 30 Prozent
des Umsatzes mit nachhaltigen Produkten erwirtschaften. Außerdem
soll die Zusammenarbeit mit dem Öko-Zertifzierer Demeter verstärkt
werden. „Handeln aus Verantwortung – das ist für uns nicht nur
ein Werbeslogan auf Flyern und Broschüren, sondern unser Auftrag und
Leitmotiv“, so Real-CEO Müller-Sarmiento.
Die Supermärkte und ihre Preispolitik
Georg
Rieck von Klatschmohn sieht das jedoch anders. In seinem Brief an
Müller-Sarmiento erhebt er schwere Vorwürfe. Besonders stört ihn
eine Aussage, die Müller-Sarmiento in einer Rede geäußert haben
soll – nämlich, dass Real bestimmte „Fehlentwicklungen der
konventionellen Landwirtschaft“ nicht mehr mittragen wolle.
Dazu
schreibt Rieck: „Sie laden die Verantwortung für die
‚Fehlentwicklungen‘ bei der Landwirtschaft ab – das ist falsch
und entspricht nicht der historischen Wahrheit! Denn die treibende
Kraft hinter dieser Entwicklung war und ist der Handel mit seiner zu
verurteilenden Politik des Preisdrückens! Dabei als Hauptakteur der
Discounter, der sich heute als „größter Biohändler“ der
Republik darstellt.“
Bei deutschen Supermärkten läuft vieles schief
Die
Discounter würden ihre Macht „in schamloser Weise“ missbrauchen,
schreibt Rieck weiter. Die Industrie gebe den Druck weiter. „Mit
Sonderangeboten und Aktionspreisen hat der Handel aus Bauern Sklaven
gemacht. Begleitet wurde dieser Prozess von der Politik.“
Der
Bio-Händler nimmt in seinem Brief auch Bezug auf einen Oxfam-Bericht
vom Juni:
Laut Oxfam tun die Supermarktketten viel zu wenig, um die
Menschenrechter der Arbeiter in ihren Zulieferketten zu
gewährleisten. Deutsche Supermärkte schneiden dabei im
internationalen Vergleich besonders schlecht ab.
Lippenbekenntnisse reichen nicht
Dass
Supermärkte wie auch Real nun immer mehr Nachhaltigkeitsstrategien
auf den Weg bringen, bewertet Riek grundsätzlich positiv – jedoch
reiche das nicht aus: „Solange Sie die Preisdrückerei nicht als
grundfalsch begreifen und zum Tabu erklären, haben Ihre Bemühungen
den Charakter von faden Marketing-Versprechen und bewusster
Verbrauchertäuschung durch taktische Lippenbekenntnisse. […]
Solange noch einer Ihrer Einkäufer Druck auf die Vorstufe ausübt,
glaubt Ihnen kein Mensch.“
Quelle:https://utopia.de/bio-supermarkt-discounter-offener-brief-97761/?utm_source=Interessenten&utm_campaign=5e3f51650a-Newsletter_Mo_18KW30&utm_medium=email&utm_term=0_af58dac727-5e3f51650a-262406441
Quelle:https://utopia.de/bio-supermarkt-discounter-offener-brief-97761/?utm_source=Interessenten&utm_campaign=5e3f51650a-Newsletter_Mo_18KW30&utm_medium=email&utm_term=0_af58dac727-5e3f51650a-262406441