Freitag, 23. April 2021

Diese 14 Obst- und Gemüsesorten besser aus Bioproduktion kaufen

Viele Pestizid-Rückstände: Vorsicht bei diesen Sorten

Kritiker:innen argumentieren gerne: „Bio-Gemüse und -Obst hat nicht mehr Vitamine und Nährstoffe als konventionelle Produkte und ist deswegen auch nicht gesünder.“ Und auch wenn Bio weniger Spuren von Pestiziden enthalte – für konventionelle Produkte gebe es ja immer noch einen gesetzlichen Grenzwert.

Tatsächlich sind viele Pestizide noch unzureichend erforscht, vor allem in Kombination miteinander. Trotz nur weniger Studien zu Pestiziden sind nicht nur die Höchstwerte umstritten, sie werden auch oft überschritten. Wir zeigen dir zwölf Obst- und Gemüsesorten, die besonders häufig mit Pestiziden belastet sind.

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Pestizide auf Granatäpfeln & Mangos

Granatäpfel überschreiten den Pestizid-Grenzwert öfter als jedes andere Obst, das ergab die neuste  Untersuchung des BVL von 2021: Knapp 8 Prozent der 2019 analysierten 129 Proben lagen über dem Rückstandshöchstgehalt. Bei Mangos waren es über 3 Prozent von 163 Proben. Exotische Früchte müssen zudem oft über weite Strecken importiert werden. Kaufe sie deshalb selten und nur in Bio-Qualität. Oder greif im Supermarkt lieber zu regionalem Obst.

Pestizide auf Gemüse: Bohnen & Linsen

Hülsenfrüchte sind gesund – eigentlich. Doch leider enthält das Gemüse oft mehr Pestizide als erlaubt. Bei Bohnen (mit Hülsen) lagen weit über 4 Prozent der vom BVL getesteten Proben über dem gesetzlichen Grenzwert. Bei getrockneten Linsen waren es knapp 3 Prozent. Hier ist Bio meist die bessere Wahl. Garantiert pestizidfrei sind selbstgepflanzte Bohnen. Sie wachsen im Halbschatten, entweder im Beet oder auf dem Balkon.

Pestizide auf Gemüse: Spinat

Spinat ist nicht die Eisen-Bombe, für die er lange Zeit gehalten wurde. Trotzdem enthält das Gemüse viele gesunde Nährstoffe – und oft auch viele Rest von Pestiziden. Etwa 2,5 Prozent der 338 Proben des BVL waren höher belastet als gesetzlich erlaubt. Unter anderem Dithiocarbamaten überschritten den Höchstgehalt. Sie stehen im Verdacht, Nervenschäden, Schilddrüsenkrankheiten und Krebs auszulösen.

Pestizide auf Gemüse: Paprikas

Das CVUA-Stuttgart fand 2019 auf insgesamt 916 Proben Frischgemüse aus konventionellem Anbau über 750 verschiedene Rückstände. Paprikas waren oft mehrfach belastet. Eine einzelne Paprikaprobe aus der Türkei wies zum Beispiel 18 verschiedene Wirkstoffe auf. Auch das BVL fand 17 verschiedene Rückstände auf den analysierten Proben. Kauf Paprika also besser in Bio-Qualität: Bio-Bauern dürfen keine synthetischen Pflanzenschutzmittel verwenden. 

Pestizide auf Obst: Grapefruits

Grapefruits sind ein kritischer Fall: Das BVL hat sie gemeinsam mit Pampelmusen und Sweeties untersucht. Bei den Tests lagen über 4 Prozent der Proben über dem gesetzlich geregelten Höchstwert für Pestizide. Außerdem befanden sich auf knapp 73 Prozent der untersuchten Marken gleich mehrere Chemikalien. Wenn du stattdessen zur Bio-Grapefruit greifst, bist du auf jeden Fall auf der sichereren Seite. Viele wissen nicht, wie man Grapefruits richtig lagert und müssen die Früchte nach wenigen Tagen wegwerfen. 

Pestizide auf Gemüse: Feldsalat und Rucola

Wer einen eigenen Gemüsegarten hat, kann Salat leicht selber pflanzen. Andernfalls greifst du am besten zu Bio-Salat, denn: Auf Gemüse wie Salatrauke und Rucola befindet sich oft ein bunter Pestizid-Mix. Fast zwei Drittel der vom BVL untersuchten Sorten enthielten Spuren von verschiedenen Pestiziden. Feldsalat-Proben lagen sogar mehrmals über dem erlaubten Höchstgehalt.

Pestizide auf Obst: Trauben

Auch bei Tafeltrauben solltest du unbedingt zu Bio greifen. Das BVL hat 2019 bis zu 14 Pestizide in einer einzigen Probe entdeckt. Insgesamt waren 65 Prozent der getesteten Reben mehrfachbelastet. Was dieser Giftcocktail im menschlichen Körper anrichtet, ist noch lange nicht ausreichend erforscht. Greife also bei Trauben lieber zu Bio-Qualität. Denn wie eine Studie des bayerischen Landesamts beweist, sind Bio-Produkte viel weniger pestizidbelastet als Konventionelle. Dass Pflanzengift-Reste auch in Bio-Produkten auftreten liegt an „Abdrift von konventionell angebauten Kulturen, […] der Aufnahme aus kontaminierten Böden oder […] Kontaminationen während der Verarbeitung“, so die Studie.

Pestizide auf Obst: Mandarinen

Mandarinen sind in Deutschland nicht heimisch. Sie stammen meist aus China, Spanien oder der Türkei und müssen lange Transportwege zurücklegen, bis sie in unseren Supermärkten landen. Dazu kommt, dass 56 Prozent der von der BVL getesteten Proben des Obstes gleich mehrere Pestizide aufwiesen. Achte deshalb darauf, Bio-Mandarinen zu kaufen – am besten aus Europa.

Pestizide auf Obst: Aprikosen

Auch Aprikosen sind alles andere als unbedenklich: Das BVL fand bei 49 Prozent der 120 getesteten Sorten Reste von mehreren Pflanzengiften. Dazu kommt, dass das Obst neben Pestiziden oft einen hohen CO2-Fußabdruck mit sich bringt: Die bei uns verzehrten Aprikosen werden hauptsächlich in der Türkei, Usbekistan und Iran angebaut – aber auch in Italien, Frankreich, Griechenland und Spanien. Versuche also, möglichst europäische Bio-Aprikosen zu kaufen. Je nach Region haben sie zwischen Mai und September Saison.

Pestizide auf Obst: Johannisbeeren

Auch auf knapp 42 Prozent der 110 von der BVL im Jahr 2019 getesteten Johannisbeer-Proben befanden sich Rückstände gleich mehrerer Spritzmittel – im Schnitt enthielten also knapp die Hälfte Rückstände von bis zu neun verschiedenen Pestiziden. Wer Obst mit Bio-Siegel kauft, kann dieses um einiges sorgloser genießen. Unser Artikel Johannisbeere schneiden: Vor dem Pflanzen und nach der Ernte gibt dir Tipps zum Selbst-Anbauen. Denn Johannisbeeren aus dem eigenen Garten schmecken nicht nur gut: Sie sind mit sehr hoher Sicherheit Pestizid-frei.

Pestizide auf Obst: Kirschen

Sowohl Sauer- als auch Süßkirschen tauchen immer wieder in Meldungen zu hohen Pestizidbelastungen auf. In Deutschland befinden sich laut dem BVL auf etwa 42 Prozent der 294 getesteten Proben des Obstes bis zu 11 verschiedene Pestizide. Da Kirschen in Deutschland heimisch sind, kannst du zur Saison auf lokale Produkte zurückgreifen. Oder pflanze einen eigenen Kirschbaum im Garten. Deine Ernte kannst du einmachen und so haltbar machen. Rezepte findest du in unserem Artikel zu „Kirschen einkochen„.

Pestizide auf Obst: Pfirsiche

Auch Pfirsiche wurden vom BVL unter die Lupe genommen: 39 Prozent der getesteten Proben waren mehrfach belastet. Greife also auch hier möglichst zu regionalen Bio-Produkten. Was viele nicht wissen: Pfirsichkerne kann man essen. Wie du sie zubereitest, erfährst du hier: Was viele in den Müll werfen, kann man essen. Übrigens: Du kannst auch viele andere Kerne mitessen und solltest deshalb viele Fruchtsamen nicht wegschmeißen.

Besonders beliebt: Vorsicht bei Erdbeeren

An 13. Stelle noch ein Tipp: Bei konventionellen Erdbeeren lässt sich nicht sorgenfrei naschen. An den überzüchteten Pflanzen hängen zu viele Früchte und diese zu nah über dem Boden. Nur mit einer Menge Chemie können die Beeren gegen Schädlinge bestehen. Deshalb fand der BVL in 37 Prozent der 827 Proben Rückstände verschiedener Pestizide. Passe also bei Erdbeeren besonders auf – und greife im Zweifel zu Bio. Ein weiteres Problem: Auch wenn du die Früchte – möglichst ohne Pflanzengift und lokal – gekauft hast, halten sie meist nicht sehr lange. Lies deshalb unseren Artikel Erdbeeren einfrieren.

Auch oft belastet: Tee und frische Kräuter

Nicht nur bei Obst und Gemüse wird ordentlich mit Pestiziden gespritzt. Auch Tee und Kräuter aus konventionellem Anbau sind häufig betroffen – laut BVL-Studie liegen sie sogar mit am öftesten über dem erlaubten Pestizid-Gehalt. Also tu dir und deinem Körper einen Gefallen und greife auch hier zu zertifizierten Sorten mit Bio-Siegel – und am besten zu einem Fairtrade-Produkt. Denn existenzsichernde Löhne gibt es in der Teebranche praktisch nirgends, Gewerkschaften und Betriebsräte werden vielerorts be- und sogar verhindert.


Quelle: https://bit.ly/3tKSEmK

Montag, 5. April 2021

Pestizideinsatz sinkt aber die Giftbelastung steigt

Die gute Nachricht: Der Pestizideinsatz auf landwirtschaftlichen Flächen sinkt seit Jahren kontinuierlich. Die schlechte Nachricht: Das gilt für die Menge, aber nicht für die »Qualität« der Mittel, denn die hat es immer mehr in sich. Forscher in den USA nahmen das Phänomen der zunehmenden Giftbelastung gründlich unter die Lupe und kamen zu einem traurigen Ergebnis.

Source: Pixabay - hpgruesen
                 

»Manche Wirkstoffe sind sehr, sehr viel giftiger geworden«


Der Wandel begann in den 90er Jahren, seit damals unterlagen die Schädlingsbekämpfungsmittel in der Landwirtschaft stetigen Veränderungen. Davor kamen die Substanzen in großen Mengen aufs Feld, nicht nur, um unerwünschten Insekten den Garaus zu machen, sondern auch zur Vernichtung konkurrierender Wildpflanzen. Moderne Pestizide hingegen sind derart fein abgestimmt, dass gar nicht mehr viel von ihnen gebraucht wird, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Ralf Schulz von der Universität Koblenz-Landau, der die besagte US-Studie leitet, meint dazu: „Manche Wirkstoffe sind sehr, sehr viel giftiger geworden und werden in sehr viel geringeren Mengen eingesetzt: nicht mehr zwei oder drei Kilogramm pro Hektar, sondern unter Umständen nur mehr sechs, zehn oder 15 Gramm pro Hektar.“

Wirbelloses Tiere werden zunehmend Opfer von Giften


Die Untersuchungen fanden in den USA statt, die Wissenschaftler nahmen den Zeitraum zwischen 1992 und 2016 genau ins Visier. Sie stellten, dass die Breitenwirkung der historischen Pflanzenschutzmittel Wirbeltiere wie Vögel und Säugetiere stark gefährdete, was heute viel weniger der Fall ist. Mittlerweile Sind es hauptsächlich die wirbellosen Tiere, die unter dem Gifteinsatz zu leiden haben – das erstreckt sich von den Krebstieren in angrenzenden Seen und Flüssen bis hin den typischen Bestäuberinsekten wie unseren Bienen. Die Zielorganismen verfügen über einen sehr ähnlichen Stoffwechsel und ein vergleichbares Nervensystem wie die Nicht-Zielorganismen, sodass die Schädlingsbekämpfungsmittel an dieser Stelle keine Unterscheidungen treffen. Wirbellose Tiere haben heute deshalb viel mehr mit Giften zu kämpfen als noch vor 30 Jahren. Dass die Gesamtmenge der Pestizide abgenommen hat, kommt ihnen keineswegs zugute. 

Pflanzengifte: Probleme mit Resistenzen

Ein vergleichbares Bild zeigt sich bei Unkrautvernichtungsmitteln: Auch hier ist die Menge an giftigen Chemikalien in der Umgebung von Feldern gestiegen – mit möglichen Folgen für Blumen und Kräutern an den Rändern. „Die bilden zum Teil weniger Samen aus, sind also weniger fruchtbar. Zum Teil zeigen Studien, dass durch den Einsatz von Glyphosat bestimmte Pflanzenarten verschwunden sind.“
Hinter der Zunahme an Pflanzengiften steckt der Widerstand der Schädlingspflanzen. Sie entwickeln Resistenzen gegen die Mittel. „Das gilt zum Beispiel für Glyphosat, das in den USA sehr stark eingesetzt wird. Landwirte sind dadurch gezwungen, neben Glyphosat auch noch andere Herbizide einzusetzen. Das trägt dazu bei, dass insgesamt mehr Toxizität ausgebracht wird.“
Obwohl man auf Feldern mit genetisch veränderten Nutzpflanzen wie Mais und Weizen ein anderes Bild erwarten könnte, ist die Entwicklung auch hier vergleichbar. „Mit dem Anbau genetisch veränderter Pflanzen ging immer auch das Versprechen einher, dass dort weniger Pflanzenschutzmittel notwendig sind. Unsere Daten zeigen, dass sich der Einsatz nicht verändert. Vermutlich, weil es auch hier Probleme mit Resistenzen gibt“, so Schulz.

EU: Vermutlich ähnlicher Trend

Eins zu eins übertragen lässt sich die Studie auf Europa nicht, da der Pestizidmarkt stärker reglementiert ist als in den USA. Trotzdem kamen bzw. kommen auch hier vergleichbare Tier- und Pflanzengifte in der Landwirtschaft zum Einsatz.
So dürfen seit 2018 beispielsweise Neonicotinoide wie Clothianidin, Imidacloprid, Thiamethoxam und Thiacloprid nicht mehr im Freien eingesetzt werden. Über eine Notfallzulassung haben einige Länder sie für den Einsatz bei Zuckerrüben aber wieder erlaubt – auch Österreich.
Schulz rechnet deswegen auch in Europa mit einer vergleichbaren Entwicklung während der vergangenen 25, 30 Jahre, wonach das Gift für wirbellose Tiere und Pflanzen in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen ist.

Quelle: https://bit.ly/3sRCiIz

Donnerstag, 18. März 2021

Lebensmittel oder Krankmacher

Hunger ist zunächst der absolute Mangel an Kalorien. Damit Ernährung gesund ist, muss sie jedoch nicht nur genug Energie enthalten, sondern auch eine ausgewogene Mischung an Eiweiß, Kohlehydraten und Fett sowie eine Vielzahl lebenswichtiger  Vitamine. Weltweit leiden rund zwei Milliarden Menschen unter einem Mangel an einem, häufiger sogar mehreren Mikronährstoffen – mit teilweise fatalen Folgen. Kurzfristige Notmaßnahmen wie die Verteilung von Vitamin A an Schwangere und Kleinkinder können in akuten Fällen Leben retten und Symptome lindern. Auch der Zusatz von Mikronährstoffen in Lebensmitteln kann helfen. Der Schlüssel zu einer ausgewogenen und gesunden Ernährung ist jedoch der Anbau und Genuss einer Vielfalt von Pflanzen und anderen Produkten mit ihren unterschiedlichen Inhaltsstoffen sowie eine Nahrungsmittel–verarbeitung, die deren Qualität erhält. Dies gilt für die Selbstversorgung in ländlichen Regionen ebenso wie für hoch verarbeitete Lebensmittel im Supermarkt.

        Quelle Foto: pixabay, CC0

Fehlernährung und krankhafte Überernährung

Weltweit waren 2016 gut 1,9 Milliarden Erwachsene übergewichtig, davon 650 Millionen krankhaft fettleibig (adipös). Diese „globale Epidemie” - so die WHO - breitete sich rasant aus, zunehmend auch in armen Ländern. Zu energiereiche Ernährung bei mangelnder Bewegung ist die Ursache. Der weltweite Anteil der fettleibigen Erwachsenen hat sich zwischen 1975 und 2016 verdreifacht. Übergewicht gilt mittlerweile als wichtigste Ursache für Diabetes, Bluthochdruck, Schlaganfälle und bestimmte Krebsarten. Original-Zitat
Unter-, Über- und Fehlernährung zusammen sind für die meisten nicht ansteckenden Krankheiten und gesundheitlichen Beeinträchtigungen verantwortlich. Sie treffen in unterschiedlichem Maße heute gut die Hälfte der Weltbevölkerung und haben eine wesent- liche gemeinsame Ursache: Die Entkoppelung, Trennung und Entfremdung von Lebensmittel- erzeugung und ‑verbrauch. Original-Zitat
Der Weltagrarbericht fordert, diese Zusammenhänge auf allen Ebenen wiederherzustellen. Die feinen Küchen dieser Welt können uns hierbei den Weg weisen: Viele pflanzliche und wenige, aber dafür gute tierische Produkte sowie eine maximale Vielfalt sind das Geheimnis toskanischer, chinesischer, indischer, französischer wie orientalischer Spitzenköche, die sich alle auf die reiche Tradition der einfachen Küche ihrer Region berufen. Auch die Politik könnte handeln, wie der Weltagrarbericht betont.

Gesetze gegen Lebensmittel- und Trinkwasservergiftung gehören zu den ältesten der Welt. Der Weltagrarbericht sieht neue und alte Bedrohungen der Lebensmittelsicherheit in Entwicklungs- wie Industrieländern auf dem Vormarsch. Mikrobiologische Verunreinigungen durch Bakterien (z.B. E. coli, Staphylokokken oder Salmonellen), Pilze, Viren und Parasiten mit meist akuten Symptomen stehen dabei an erster Stelle. Lebensmittelskandale sind nur die Spitze des Eisberges. Original-Zitat
Vergiftungen und Belastungen durch Pestizide, Schwermetalle und andere Rückstände wie Dioxine, PCBs oder künstliche Hormone bleiben wegen ihrer langfristigeren Wirkung zunächst oft unbemerkt. Treten später chronische Symptome auf, sind die exakten Ursachen im Einzelfall oft schwer belegbar. Dies gilt auch für die Auswirkungen und das Zusammenwirken der Vielzahl neuer chemischer Lebensmittelzusatzstoffe, denen Verbraucher heute ausgesetzt sind. Neue Krankheitssyndrome wie Allergien, Hyperaktivität und bestimmte Krebsarten sind auf dem Vormarsch.

Eine zweischneidige Reaktion auf die wachsenden Gesundheitsgefahren des globalisierten Ernährungssystems sind immer teurere und aufwändigere technische Sicherheitsstandards. Komplexe Rückverfolgungs- und Kennzeichnungs- systeme vom Acker bis zum Teller, die von den Industrieländern und internationalen Konzernen in den Leitlinien des Codex Alimentarius von WHO und FAO und in den sanitären und phytosanitären Standards (SPS) der Welthandelsorganisation (WTO) festgelegt werden, überfordern kleine Produzenten und verstärken so die Marktkonzentration. In Industriestaaten strangulieren sie die traditionelle Lebensmittelherstellung und damit auch die Qualität. In sogenannten Entwicklungsländern, die die Kosten solcher Hygiene-, Test- und Überwachungssysteme nicht aufbringen können, gelten sie häufig nur für Exportgüter, während einfache und effektive lokale Sicherheitsmaßnahmen unterbleiben.

Gefährliches Gewerbe

Die Landwirtschaft gehört neben dem Bergbau und Baugewerbe zu den gefährlichsten Berufsfeldern der Welt. Von den vielen Millionen Arbeitsunfällen pro Jahr enden mindestens 170.000 tödlich. Hauptursache sind Unfälle mit Maschinen und Vergiftungen mit Pestiziden oder anderen Agrarchemikalien, aber auch physische Überbelastung, Lärm, Staub, Allergien und von Tieren übertragene Krankheiten. Die Internationale Arbeitsorganisation schätzt, dass 59% der weltweiten Kinderarbeit in der Landwirtschaft stattfindet. Betroffen sind mindestens 98 Millionen Kinder. Die Dunkelziffer ist hier besonders hoch.

Alte und neue Seuchen

Zu den bedrohlichsten Gesundheitsrisiken in der Landwirtschaft gehören ansteckende Krankheiten, die zwischen Tieren und Menschen übertragen und von bestimmten Anbaumethoden begünstigt werden. Bewässerungsmethoden spielen z.B. eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung von Malaria und anderen von Insekten übertragenen Krankheiten. Die meisten Opfer dieser Seuchen sind Frauen und Kinder auf dem Lande, denen Vorsorge und Behandlung fehlen. Die private, aber auch öffentliche Forschung konzentriert sich häufig auf jene Krankheiten, die auch die zahlungskräftigere Bevölkerung der Städte und Industriestaaten betreffen. Original-Zitat
Der Antibiotikaeinsatz in der intensiven Tierhaltung ist zu einer ernsten Bedrohung für die menschliche Gesundheit geworden. 1.619 Tonnen Antibiotika, doppelt so viel wie in der Humanmedizin, wurden 2012 in Deutschlands Mastanlagen eingesetzt. Immer mehr Krankheitserreger werden so gegen Antibiotika resistent. Arbeiter aus Tiermastanlagen gelten daher in Krankenhäusern als gefährliche Risikogruppe.

Der Weltagrarbericht zeigt: Landwirtschaft und Ernährung sind die wichtigste Grundlage menschlicher Gesundheit und zugleich die häufigste Krankheitsursache in reichen wie armen Ländern. Gesunde und nachhaltige Ernährung, Lebensmittelproduktion und Landwirtschaft können Leiden und vorzeitigen Tod von Milliarden Menschen verhindern. Original-Zitat Sie sind wesentliche Grundlagen soliden wirtschaftlichen Aufschwungs in Entwicklungsländern und das beste Rezept gegen ausufernde Gesundheitskosten in Industrieländern. Dass nachhaltige und gesunde Ernährung nur erreicht wird, wo Bedarf (Nachfrage) und Produktion gemeinsam statt getrennt entwickelt werden, gehört zu den Botschaften des Weltagrarberichts, die wissenschaftlich nicht mehr strittig sind. In der Praxis stehen ihrer Umsetzung freilich mächtige Wirtschaftsinteressen entgegen.